Blaue Wellen für das Freibad

Blaue Wellen für das Freibad

Graffiti, bröckelnder Putz und schmutzige Außenwände – ein Zustand, den es in ländlichen Regionen öfter an öffentlichen Gebäuden zu sehen gibt. Die Kunstfachleiterin Miryam Trautmann, die in ihrem Wahlpflichtunterricht-Kurs das Thema „Schulhausgestaltung“ behandelt und mit ihrem Kurs bereits ein Jahr lang das Schulhaus verschönert hatte, erstellte mit ihrem Kurs in monatelanger Arbeit Skizzen und Modelle. Der Gemeinderat stimmte dem Vorschlag zu – auch dank der Hilfe zweier Sponsoren, die sich bereiterklärten, die Farben zu stellen und den Schülern fachmännisch zur Seite zu stehen. So bereitete der Malerbetrieb Volk aus Reichelsheim das Schwimmbadgebäude vor, besserte aus und machte die Wand erst bemalbar, damit die Schüler gleich kreativ zu Werke gehen konnten. Als Sponsor für die Farben – immerhin rund 100 Liter in sieben verschiedenen Blautönen – half die Firma Brillux im Rahmen ihrer Nachwuchskampagne „Deine Zukunft ist bunt“ aus, mit der man dem Fachkräftemangel in Deutschland entgegenwirken will.

Doch bevor die große Mal-Aktion beginnen konnte, musste erst einmal ein Motiv her. Die Gemeinde schrieb einen Wettbewerb aus, an dem sich alle Schüler beteiligen durften. Genommen wurde schließlich der Entwurf von Iris Rudolph, die auch zu dem 14-köpfigen Maler-Team gehört, das aus drei Klassen der zehnten Jahrgangsstufen zusammengestellt wurde. Die Abschlussprüfungen sind bereits geschrieben, die GAZ-Schule stellte die Schüler für das Projekt frei. Dass die Arbeitszeit mit fünf bis acht Stunden täglich die Schulzeit übersteigen würde, wussten die Schüler da allerdings noch nicht. „Es braucht viele Schritte und ein bisschen Ausdauer. Jeder wird hier optimal eingebunden. Es ist ein schöner Prozess“, berichtet Miryam Trautmann. So sind manche Schüler für die feinen Linien zuständig, manche eher für große Flächen – es findet sich für jeden etwas. Der Giebel allerdings, der wird noch einmal eine Hürde werden. „Inzwischen sind alle eingespielt. Am Anfang war das noch etwas chaotisch“, lobt Daniela Volk. Die Junior-Chefin des Malerbetriebs steht den Schülern fünf Tage lang zur Seite, erklärt Abläufe, hilft beim Malen und bereitet Materialien vor. So auch das überdimensionale Butterbrotpapier, das mittels einer Asche-Technik einen Schwimmbad-Schriftzug an die Wand bringen soll. Dass die fünf Tage vor allem aufgrund der Wetterkapriolen nicht reichen werden, ist allen Beteiligten klar. So wird es wohl noch einmal eine Zugabe für das Maler-Team geben.

Eine Zugabe gibt es auch für Iris Rudoph. Die 16-Jährige wird nach einem Praktikum ab August auch ihre Lehre bei der Firma Volk machen. „Es liegt mir einfach zu malen“, erklärt sie. Der Entwurf für das Schwimmbad-Gebäude bestätigt das, entstanden sei er aus „einer spontanen Idee“ heraus. Hatte sie sich die Woche so vorgestellt? „Ich wusste vorher, was auf mich zukommt. Es ist schon ein anstrengender Job“, sagt Rudolph. Was sie in der Lehre erwartet, weiß die Realschülerin also. Die Schwimmbad-Wand war ein guter letzter Praxistest.

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